...Bürgerproteste haben sich gelohnt...


INES RATH 10.11.2015 23:27 UHR RED. SEELOW, SEELOW­RED@MOZ.DE
Der Protest hat sich gelohnt Seelow (MOZ) Die Regionalversammlung Oderland­Spree hat den zweiten Entwurf des Teilregionalplanes Windenergienutzung mit großer Mehrheit gebilligt. Er weist 34 Windeignungsgebiete aus, 13 weniger als im ersten Entwurf. Die Proteste von Bürgerinitiativen haben sich gelohnt: Die Brennpunkte sind entschärft.

Die Besucherstühle reichten zunächst nicht, um alle Gäste der Beratung zu platzieren. Mit 60 waren am Montagnachmittag etwa doppelt so viele Zuhörer in den großen Saal des Seelower Kreiskulturhauses gekommen, wie stimmberechtigte Regionalräte anwesend waren. Neben den Vertretern mehrerer Windpark­Bürgerinititiativen aus der Region hatten Abgesandte potenzieller Investoren in den Besucherreihen Platz genommen. Letztere fotografierten emsig Pläne und an die Leinwand geworfene Dokumente. Denn der Countdown läuft: Die 34 nunmehr von der Regionalversammlung bestätigten Windeignungsgebiete werden erst zum Beginn des Beteiligungsverfahrens veröffentlicht. Der Leiter der Regionalen Planungsstelle Oderland­Spree, Wolfgang Rump, geht vom Januar 2016 aus. Die Erläuterungen Rumps und seines Kollegen Till Felden zum geänderten Teilregionalplan reichten indes aus, dass die Vertreter der Windpark­Bürgerinitiativen den Saal zufrieden verlassen konnten: Die besonders umstrittenen Eignungsgebiete aus dem ersten Entwurf gibt es im zweiten nicht mehr.

Als Beispiele nannte Till Felden die Flächen in Alt Zeschdorf, Golzow und Neulewin. Auch Kommunen wie Strausberg und Schöneiche müssten sich mit dem Thema Windenergienutzung "künftig nicht mehr befassen", sagte Wolfgang Rump. Grundlage der Entscheidung ist das von der Regionalversammlung vor zwei Jahren beschlossene neue Kriteriengerüst. Es sieht diverse Tabu­Kriterien vor. In der Folge soll es zum Beispiel keine neuen Windparks mehr geben, deren Anlagen näher als 1000 Meter zu Wohnbauten stehen. Das gilt zum Beispiel für das geplante Eignungsgebiet Friedersdorf­West bei Seelow. Für bereits bebaute Windfelder ist ein Mindestabstand von 800 Metern bindend. Dieser Abstand könne auch für ältere Windparks, deren Anlagen näher an Wohnhäusern stehen, im Falle eines von den Betreibern gewünschten Repowerings eingefordert werden, machte Wolfgang Rump deutlich. "Wir haben die Tabuzone also deutlich erhöht", resümierte er. Denn im bislang geltenden Teilregionalplan Wind aus dem Jahre 2004 wird von nur 500 Metern Mindestabstand ausgegangen.

An einigen Stellen hätten die von Anwohnern dargelegten Gründe für eine Herausnahme des Gebietes indes nicht gereicht, machte Till Felden deutlich. Als Beispiel nannte er das Gebiet Nummer 38 Eisenhüttenstadt­ Fünfeichen­Möbiskruge. Das Windfeld bei Herzfelde soll nur verschoben werden. Doch neben dem ersten Schutzgut, dem Menschen, sind auch andere Schutzgüter ­ vom Boden und Grundwasser über die Landschaft bis zu geschützten Tierarten ­ für den geänderten Planentwurf neu betrachtet worden. Davon zeugte unter anderem ein in letzter Sekunde aus der Liste genommenes Eignungsgebiet in Groß Muckrow bei Friedland. Hier seien vier gefährdete Fledermausarten nachgewiesen worden, berichtete Laurens Bockemühl. Er stellte den begleitenden Umweltbericht zum neuen Entwurf des Teilregionalplans vor. Für Wolfgang Rump steht fest, dass die 34 nun geplanten Windeignungsgebiete "keine erhebliche Umweltbeeinträchtigung darstellen". Außerhalb dieser Gebiete wird der Bau von Windkraftanlagen in der Region nicht mehr möglich sein.

© 2015 MOZ.DE MÄRKISCHES VERLAGS­ UND DRUCKHAUS GMBH & CO. KG Potsdam, 10.09.2015

Pressemitteilung der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“


Der große Demokrat, Stephane Hessel, der unser Grundgesetz mitverfasste, hat die Bürger aufgerufen: „Wehrt euch!“ Lasst Euch nicht wieder Stück für Stück Eure demokratischen Rechte wegnehmen.
Heute haben wir solch einen Tatbestand. Die Rot-Rote Koalition und die Grünen hatten den Ausschuss für Infrastruktur und Landschaftsplanung aufgefordert, die Forderungen der Bürger, unterlegt mit 30.259 Unterschriften, nach größeren Abständen der Windkraftanlagen zu Wohnbebauungen und keine Windkraftanlagen in unseren Wäldern zu errichten, abzulehnen!

Die Abgeordneten im Fachausschuss sollen eigentlich unabhängig und sachkundig die Anhörung der Bürgervertreter und deren begründete Forderungen nach bestem Wissen und Gewissen auswerten und unbeeinflusst ihre Empfehlung an den Hauptausschuss des Landtages geben. In diese Regelung will die Landesregierung eingreifen und den Ausschuss bewegen, eine politische Entscheidung zu treffen, die ausschließlich der Bestandserweiterung der Windkraftinvestoren für weitere 20 Jahre dienen würde zu Lasten der Gesundheit von uns Bürgern, der Brandenburger Kulturlandschaft, der Natur und unseres Geldbeutels.
Mit Windkraft haben wir keine Versorgungssicherheit und trotzdem in Brandenburg mit die höchsten Stromkosten in der Welt und diese würden weiter steigen – eine Spitzenleistung auf die wir gern verzichten.
Wie verlässlich funktioniert unser Staatssystem im Land Brandenburg noch? Das haben wir heute, am 10.09.2015 erfahren:
Stimmen der Ausschussmitglieder:
ja -Stimmen zur Volksinitiative 3 (2 x CDU/1 x AfD)
nein-Stimmen zur Volksinitiative 5 (3 x SPD/1 x Linke/ 1 x Grüne)
Enthaltungen keine

Wie es scheint, hat die Koalition ihren Druck auf die eigenen Abgeordneten erfolgreich ausgeübt.
Nun wird es sich zur Landtagssitzung am 23.09. - 25.09.2015 zeigen, ob sich die Abgeordneten mit der neuen Stimmung zum weiteren Windkraftausbau im Lande bewusst auseinander gesetzt haben und einem sofortigen Moratorium zustimmen. Der Landesvorstand der SPD hatte am 07.07.2015 ohnehin eine Überarbeitung der Energiestrategie 2030 angekündigt, die ist bereits heute überfällig!
Die Vertreter der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“ sind vorbereitet, im Falle einer Ablehnung ihrer Forderungen im Landtag ein entsprechendes Volksbegehren auf den Weg zu bringen.
Die Landesregierung hätte dann mit Massentierhaltung, Fluglärm und Windkraftausbau drei Volksbegehren herausgefordert – ein trauriger Rekord.
Thomas Jacob
1.Sprecher der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“

Windwahn und kein Ende: Bürgerinitiative Gegenwind im Oderbruch



Liebe Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Neulewin,
wir möchten Sie über die aktuelle Situation zum Thema Windkraft informieren.
Sie werden sich völlig zu Recht fragen, warum das Thema wieder zur Diskussion steht, obwohl die Bevölkerung der Gemeinde von Neulewin sich 2012 mit 542 Einwendungen eindeutig gegen eine Bauleitplanung und den entsprechenden Flächennutzungsplan entschieden hatte.
Der Amtsdirektor K. Birkholz hat nun das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt und die Bürgermeister damit in Konflikte gestürzt. Er befürchtet einen „Wildwuchs“ von Windkraftanlagen, falls die Gemeinden nicht eine begrenzte Potenzialfläche ausweisen. Sollten sie sich gegen eine Ausweisung entscheiden, wäre der Bau von Windkraftanlagen dennoch möglich.
Dieses Szenario setzt Ängste und Sorgen bei den betroffenen Menschen frei.
Es gibt für diese „Wildwuchs“ Annahme keine Basis. Warum?

1. Da Brandenburg keinen gültigen Landesentwicklungsplan hat, kann der Sachliche Teilregionalplan Oderland-Spree nicht fortgeschrieben werden. Zur Zeit ist der Plan von 2004 gültig. Die Gemeinde Neulewin war darin nicht vorgesehen.

2. Die Brandenburger Regierung will angesichts der wachsenden Zahl von Bürgerinitiativen gegen den Ausbau von Windenergie ihre Energiestrategie 2030 überdenken.

3. Nach Auskunft von Herrn Rump (Leiter der Planungskommission) hat er eine Fläche von 0,9 % geplant- vorgesehen waren 2%. Außerdem ist die Fläche östlich von Wriezen und Bliesdorf fast vollständig nicht mehr als Eignungsgebiet ausgewiesen. Die Fläche Nr. 46 Wriezen/Neulewin ist wegen Naturschutzkriterien nicht mehr geeignet.

4. Warum nun sollten Flächen ausgewiesen werden, wenn keine Notwendigkeit besteht und wir die Windkraftanlagenbauer ermutigen, sofort mit ihrer Planung zu beginnen. Ohne Akzeptanz der Bevölkerung kann es keine Windräder in der Gemeinde geben.

5. Es ist doch wohl endlich an der Zeit, dem Windwahn ein Ende zu setzen. Brandenburg erzeugt mehr Strom aus erneuerbaren Energien als es braucht. Windräder müssen abgeriegelt werden, auch Polen und Tschechien wollen den Strom nicht, weil es die Netze instabil macht.

6. Es gibt keine Speichermöglichkeit und der Netzausbau ist erst in den Anfängen. Warum also noch mehr Windräder? Sie sind inzwischen ca. 200m hoch und ihre Kapazität ist seit 1995 um das 15fache gestiegen.

Wir möchten Sie herzlich zu der Gemeindevertretersitzung am 09.09. 2015 um 19:30 im Gemeindehaus Güstebieser Loose einladen.
Informieren Sie sich und unterstützen Sie uns im Kampf gegen den Windwahn.
Sigrid Lüneberg
Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering

SPD bremst bei Windenergie



Autor: Thorsten Metzner, PNN/ Redaktion, 08.07.2015
Energiestrategie 2030 auf Prüfstand: Zwei-Prozent-Ziel der Landesfläche für Windparks könnte kippen
Potsdam - Vier Jahre vor der nächsten Landtagswahl stellen Brandenburgs Sozialdemokraten den bislang forcierten Ausbau der Windkraft infrage: Wie Generalsekretärin Klara Geywitz am Dienstag mitteilte, hat der SPD-Landesvorstand auf einer gemeinsamen Sitzung mit der Landtagsfraktion am Montagabend beschlossen, die geltende „Energiestrategie 2030“ der Landesregierung umfassend zu überprüfen – und zwar nur bei deren Festlegungen zur Windkraft, nicht zu anderen Energieträgern wie der Braunkohle.
„Wir erwarten 2016 erste Ergebnisse dieser Evaluation“, heißt es in dem Beschluss. Dabei solle insbesondere das geltende Flächenziel von zwei Prozent der Landesfläche, die nach der 2012 vom Kabinett beschlossenen Energiestrategie als Windeignungsgebiete ausgewiesen werden sollen, überprüft werden. Bislang hatten die Sozialdemokraten entsprechende Forderungen, etwa der CDU-Opposition, nach einem Moratorium gegen weitere Windparks strikt abgelehnt. Der Widerstand dagegen wächst, in kurzer Zeit hat eine Volksinitiative 29 000 Unterschriften gesammelt, die diese Woche an Landtagspräsidentin Britta Stark übergeben werden sollen. Bislang gibt es rund 3700 Windräder im Land, Windparks machen knapp ein Prozent der Landesfläche aus.
In ihrer Erklärung verwies Geywitz ausdrücklich auf „Sorgen“ in der Bevölkerung „um unsere Kultur- und Landschaftsräume“, aber auch wegen höherer Strompreise für private Haushalte und Unternehmen in Brandenburg, die auf den bisherigen Ausbau der Windenergie zurückgehen würden. „Diese Sorgen nehmen wir ernst.“ Zum SPD-Forderungskatalog gehört auch, dass Orte künftig von Windrädern in ihrem Gebiet profitieren sollen.
Bei der politischen Konkurrenz sorgte die Kurskorrektur für Kritik. CDU-Partei- und Fraktionschef Ingo Senftleben sagte, die SPD greife nun auf, was die CDU lange vergeblich gefordert habe. „Die SPD verfährt nach ihrem typischen Schema, wie immer, wenn der Druck zu groß wird.“ Man gaukle den Leuten etwas vor, lasse aber Taten vermissen. Senftleben verwies darauf, dass im Lande gerade die Volksinitiative gegen den Ausbau der Windenergie erfolgreich sei. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Axel Vogel: „Die SPD versucht einen Seitengraben aufzumachen, um den Damm nicht überlaufen zu lassen.“ Vogel betonte, dass die Grünen das Windkraftausbauziel von zwei Prozent der Landesfläche als Orientierung für die Regionalen Planungsgemeinschaften für unverzichtbar halten. „Wir sehen es kritisch, dass das so infrage gestellt wird.“ Eine Evaluierung der Energiestrategie 2030 sei aber sinnvoll. Offen zeigte sich Vogel auch für den von der SPD im Landesvorstandsbeschluss ins Spiel gebrachten Akzeptanzfonds, „der sich aus Einnahmen des Landes aus der Verpachtung von Flächen für Windkraftanlagen speisen soll“. Aus dem Topf sollen Maßnahmen in Kommunen finanziert werden, „mit denen die Akzeptanz von Windkraftanlagen verbessert werden kann“.
Ein Grund für das Agieren der SPD ist die Erfahrung mit dem Streit um ein strengeres Nachtflugverbot am BER, wo die Regierungspartei die Volksinitiative strikt abgelehnt hatte und erst nach dem dann ersten erfolgreichen Volksbegehren im Land umgeschwenkt war.

Widerstand gegen Windenergie: SPD überprüft nun Ausbau



Autor: Klaus Peters, PNN/ Redaktion, 07.07.2015
In Brandenburg werden fast 20 Prozent des Stroms bereits aus Erneuerbaren Energien erzeugt. Die Landesregierung will vor allem die Windkraft weiter ausbauen. Nun rudert die SPD rudert zurück - ein wenig.
Potsdam - Angesichts des wachsenden Widerstands von Bürgern will die SPD den Ausbau der Windkraft in Brandenburg überprüfen. Dabei gehe es insbesondere um das Ziel, zwei Prozent der Landesfläche als Flächen für Windkraftanlagen festzulegen, teilte der SPD-Landesvorstand am Dienstag in Potsdam mit. "Es gibt eine breite Bewegung gegen Windenergie, die ist wahrscheinlich quantitativ größer als die gegen Braunkohle", sagte SPD-Fraktionschef Klaus Ness. Damit müsse man sich auseinandersetzen. Allerdings sei die Windkraft für die Energiewende unverzichtbar. Das Ergebnis der Prüfung soll im kommenden Jahr vorliegen.
Eine Volksinitiative fordert größere Abstände der Rotoren zu Wohnsiedlungen und hat dafür 29.000 Unterschriften gesammelt. Daher muss sich nun der Landtag mit dem Anliegen befassen. Ness betonte allerdings, dass der geforderte Abstand von der zehnfachen Höhe der Anlagen bei der SPD keine Zustimmung finden werde. Denn danach müsste ein Mindestabstand um 2500 Meter eingehalten werden. Der Bau neuer Anlagen würde damit erheblich eingeschränkt.

Windräder müssen 1000 Meter Abstand haben - noch
Die CDU war im Landtag bereits mit einem Antrag für größere Mindestabstände gescheitert. "Die SPD reagiert immer nach demselben Schema: Wenn der Druck zu groß wird, machen sie, was die CDU schon lange gefordert hat", kritisierte CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben.
Derzeit gilt für die Rotoren ein Mindestabstand von 1000 Metern, ältere Anlagen wurden allerdings auch näher an Siedlungen gebaut. Die Initiative befürchtet insbesondere gesundheitliche Auswirkungen durch den Infraschall wie erhöhter Blutdruck und Schlafstörungen. (dpa)

Regierungsberater wollen EEG abschaffen



Autor: Andreas Mihm, F.A.Z./ Redaktion, 25.02.2014
Das wird Angela Merkel (CDU) nicht gerne hören: Während ihre Regierung mit Hochdruck an der Reform der Förderung der erneuerbaren Energien arbeitet, rät ihr eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) komplett abzuschaffen. Das EEG sei weder ein kosteneffizientes Instrument für den Klimaschutz, noch entfalte es eine messbare Innovationswirkung, stellt die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem neuen Jahresgutachten fest. „Aus beiden Gründen ergibt sich deshalb keine Rechtfertigung für eine Fortführung des EEG“, heißt es in dem der F.A.Z. vorliegenden Gutachten, das an diesem Mittwoch der Bundeskanzlerin überreicht wird.
Für ihren radikalen Rat haben die Experten mehrere Begründungen parat: Die steigenden Kosten von zuletzt 22 Milliarden Euro im Jahr, überschätzte Auswirkungen auf den Klimaschutz, vor allem aber die von der Förderung ausgehende „sehr geringe technologiespezifische Innovationswirkung in Deutschland“. Gerade das Technologieargument spielt in den politischen Debatten eine wichtige Rolle. Um so mehr lässt aufhören, dass die Forscher aus dem Umfeld des renommierten Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft genau das in Zweifel ziehen.
„Kein Anreiz zur Entwicklung neuartiger Technologien“
Die sechs Gutachter unter Leitung des Managementprofessors Dietmar Harhoff von der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen sich dabei auf Studien, die unter anderem die Patentanmeldungen als Indikator für Innovationen beurteilen. Die kämen zu keinem positiven Ergebnis. „Eine empirische Untersuchung für den Zeitraum 1990 bis 2005 kann eine Innovationswirkung von Stromeinspeisevergütungen für erneuerbare Energien in Deutschland lediglich für Windenergie feststellen“, stellen sie fest. Eine aktuelle Analyse, die speziell die Wirkung der Einspeisevergütungen des EEG von 2000 bis 2009 technologiespezifisch untersucht habe, finde „in keinem Technologiebereich einen positiven Zusammenhang“.
Als Grund machen die Forscher aus, dass die festen Einspeisevergütungen „keinen Anreiz zur Entwicklung neuartiger Technologien“ böten. Da sich die Vergütung nach den Durchschnittskosten richte, verdiene ein Innovator an einer neuartigen Technologie nicht mehr als an einer schon eingeführten. Allerdings sei die Investition in eine neue Technologie mit einem höheren Risiko verbunden.
„Das EEG sorgt nicht für mehr Klimaschutz“
Das EEG subventioniere den Absatz von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Das erweitere den Markt für erneuerbare Technologien. Im Ergebnis wachse damit der Anreiz für die Unternehmen, Marktpotentiale auszunutzen statt Forschung und Entwicklung zu betreiben. Durch den schnellen Ausbau alter Technologien, mit dem Kostensenkungen einhergingen, könnten zudem Markteintrittsbarrieren für neue Technologien entstehen. Das Fazit der Expertenkommission ist vernichtend: „Das EEG lässt sich damit auch aus innovationspolitischer Sicht in seiner jetzigen Form nicht rechtfertigen.“ Es entfalte gerade in denjenigen erneuerbaren Technologien, in welche der Großteil der EEG-Förderung fließt, also Photovoltaik, Windenergie und Biomasse, „nach derzeitigem Erkenntnisstand keine messbare Innovationswirkung“.
Dass das Argument nicht weit trage, die Förderung der Erneuerbaren würde dem Klimaschutz auf die Beine helfen, hatte die Kommission schon vorher festgestellt. Denn in der EU seien die Kohlendioxidemissionen für energieintensive Branchen durch das Emissionshandelssystem gedeckelt. Deshalb würde der vom EEG ausgelöste Ausbau erneuerbarer Energien zur Elektrizitätsversorgung europaweit keine zusätzlichen CO2-Emissionen vermeiden, sondern nur verlagern. „Das EEG sorgt also nicht für mehr Klimaschutz, es macht ihn aber deutlich teurer.“
Der Gesetzentwurf muss noch viele Hürden nehmen.
Auf den Zusammenhang verweisen andere Wissenschaftler seit Jahren. Die 2006 vom Bundestag eingerichtete Expertenkommission Forschung und Innovation befindet sich in guter Gesellschaft der Wirtschaftssachverständigen, der Monopolkommission und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech. Bisher hat die Politik solche Hinweise wissenschaftlicher Politikberater in den Wind geschlagen. Es ist nicht zu erwarten, dass es diesmal anders kommt.
Die Bundesregierung will den derzeit zwischen den Ressorts abgestimmten Gesetzentwurf für die „grundlegende“ Umgestaltung des EEG am 8. April beschließen. Er soll dann am 1. August in Kraft treten. Bis dahin sind viele Hürden zu nehmen. Denn der Entwurf stößt auf die Kritik vieler Länder, die keine Kürzungen der gerade bei ihnen bedeutsamen Technologien zulassen wollen, sei es die Biomasse in Bayern und Niedersachsen oder der Windstromausbau in Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Hostein.
Größer sind die Hindernisse, die im Streit mit der EU aus dem Weg geräumt werden müssen. Dabei geht es einerseits um die von Deutschland verlangten Ausnahmen für die besonders stromintensiv produzierende Industrie von der Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage. Die hält die EU-Kommission zumindest in Teilen für eine unzulässige Subvention. Sie will sie eindämmen, etwa, indem weniger Branchen davon profitieren dürfen, die Gesamtmenge des so bevorzugten Stromverbrauchs begrenzt wird und alle beteiligten Unternehmen mindestens 15 oder 20 Prozent der normalen EEG-Umlage zahlen müssen. Zudem wollen die Wettbewerbshüter der EU Deutschland zwingen, die Förderung erneuerbarer Energien schneller auf dem Weg von Ausschreibungen zu organisieren, als das geplant ist. Nach den Vorstellungen der Koalition sollen die ersten großen Photovoltaikanlagen 2017 im Zuge einer Ausschreibung vergeben werden.
Die Zeit für eine Einigung wird knapp. Am 9. April will die Kommission ihr neues Regelwerk beschließen. Sollte Deutschland nicht darauf einschwenken, könnten von 2015 an alle EEG-Nachlässe hinfällig sein, was die Wirtschaft auf einen Schlag mit gut 5 Milliarden Euro belasten würde. Getroffen würden Branchen wie Chemie, Stahl, Aluminium, Zement und Glas.
Quelle: F.A.Z.



Wir geben diese Mail zunächst unkommentiert an Sie weiter.

Ohne Kommentar...



Mail vom 19.02.2014, von Thilo Clavin

Guten Tag allerseits,
mit großem Interesse habe ich Ihre Websiten gelesen und fühle mich in meiner Kritik an dem unkontrollierten Wildwuchs an Windenergie-Projekten voll bestätigt, das selbe gilt auch für "Bio"-Gas und sonstige "Biomasse" (u. a. Holz)! Ich bin selbst als aktiver Naturschützer für den BUND tätig und finde es haarsträubend, dass "mein" Bundesverband jede Begrenzung, sogar die geplante Deckelung der "Erneuerbaren"-Förderung durch Bundesumweltminister Gabriel ablehnt und aktiv Stimmung dagegen macht!
Endlich (eigentlich schon zu spät) fordert Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine "Deckelung", also eine Begrenzung des Windanlagen-Baues, und was passiert? Der Umweltverband BUND und das sonst ökologisch orientierte Netzwerk CAMPACT protestieren dagegen und sammeln Unterschriften (siehe unten)!!!
Der Sprecher des BUND-Arbeitskreises Energie, Werner Neumann, hat kürzlich im BUND-Magazin sogar den Ausbau der Windenergie auch in Wäldern und Landschaftsschutzgebieten gefordert (lediglich Nationalparks und NSG sollen ausgenommen werden, aber deren Anteil an der Gesamtfläche ist nur verschwindend gering)!

Der BUND-Arbeitskreis Energie: 
 
Wenn selbst Umwelt- und Naturschutzverbände wie der BUND - bei dem seit Jahren anhaltenden Windanlagenboom - den weiteren Ausbau fordern, jede Begrenzung der Förderung ablehnen und das mit Hilfe von Kampagnen noch untermauern - dann muss etwas oberfaul in dem Verband sein!
Hier meine Mail an CAMPACT (siehe unten), die sich in wiederholten Internet-Kampagnen (genau wie der BUND) ebenfalls gegen jede Begrenzung der Windenergie-Förderung einsetzen! Schreiben Sie doch bitte auch an CAMPACT (die sonst sehr gute Aktionen machen) und fordern Sie von der Organisation, dass sie sich FÜR eine Begrenzung / einen "Deckel" von Windenergieanlagen einsetzt! Nehmen Sie meine Mail an CAMPACT gerne als Orientierung. Leiten Sie meine Mail (siehe unten) gerne über Ihre Verteiler weiter, möglichst viele BI's gegen den "Windwahn" sollten an CAMPACT und an den BUND schreiben!
Viele Grüße aus der Lüneburger Heide
Thilo Clavin

"Liebes Campact-Team!
Ich bin seit drei Jahrzehnten engagierter Naturschützer (aktives Mitglied beim BUND-Regionalverband, außerdem bei Greenpeace) und habe eure Aktionen gegen Umweltzerstörung, Gentechnik, Großprojekte, Menschenrechtsverletzungen usw. immer gerne unterschrieben und werde das auch weiter tun. Zu der jüngsten Aktion "Energiewende statt Atomkraft" muss ich allerdings einige Anmerkungen machen, da sie in die falsche Richtung geht. Allein diese Parole ist schon sehr populistisch und stark vereinfachend! Ich habe mich eingehend damit beschäftigt: Es geht bei Minister Gabriels "Deckelungsprogramm" überhaupt nicht um das "Absägen der Energiewende", sondern um eine vernünftige Kostenbeschränkung und gegen einen unkontrollierten Wildwuchs an Windanlagen! Auch soll der "Biogas"-Anlagenbau durch den "Deckel" künftig nicht mehr durch das EEG gefördert werden: Das beides ist aus Umwelt- und Naturschutzgründen unbedingt notwendig! Dass ab einer bestimmten Anzahl neu gebauter Windkraftanlagen "gedeckelt" wird, also keine Subventionen mehr durch das EEG gezahlt werden, ist auch aus Naturschutzgründen absolut zu begrüßen (aus finanziellen Gründen sowieso).
Ihr lauft Gefahr, euch mit einer kompromisslosen "Pro Windkraft"-Kampagne zum Instrument der Industrie, also der profitsüchtigen "Erneuerbaren-Lobby" zu machen. Diese Seite (eine von vielen) finde ich sehr interessant:

"Windwahn..." 

Einer der größten und millionenschwerer Hersteller "Erneuerbarer" Energieanlagen ist die Firma Juwi mit ihrem Chef Willenbacher, die im Windanlagen-, "Biogas"- und Holzpellet-Anlagenbau tätig sind und hier kräftig Lobbyarbeit und "Greenwashing" betreiben. Auf den Internetseiten dieser und anderer Firmen wird die zerstörerische Nawaro-"Biogas"-Produktion und die Holzpellet-Produktion "grün gelogen". Ich hoffe, euch ist bekannt, welch desaströse Schäden für Umwelt, Natur und Klima durch den Nawaro-Biogas-Irrsinn (mittlerweile über 7.000 Anlagen) entstanden sind: unter anderem: riesige (pestizidgespritzte) Mais-Monokulturen ohne Leben, also riesiger Flächenverbrauch, Flächenversiegelung für die Anlagen, gewaltiger Anstieg des Einsatzes schwerster Maschinen mit fossilem Treibstoffverbrauch, Grundwasserverseuchung, Entstehung klimaschädlicher Gase, Vernichtung von Millionen Tonnen Lebensmittel für Energiezwecke usw.
Durch den gewaltigen Nachfrage-Anstieg nach "Energieholz" und Holzpellets (was von den Profiteuren auch als "Öko-Energie" romantisiert wird) geraten die Wälder immer mehr unter Druck und es wird zunehmend abgeholzt! Auch die Hecken und Gehölze in freier Landschaft leiden stark unter dem Abholzungs-Boom, was für die Biodiversität, fürs Landschaftsbild und fürs Klima fatal ist! Hier sollte Gabriels "Deckelung" sofort kommen und der Biogas- und Energieholz-Irrsinn umgehend gestoppt werden! Dafür sollte sich gerade CAMPACT einsetzen! Leider hat der BUND-Bundesverband - ohne Prüfung und ohne Rücksicht auf Naturschutzbelange - sich auch gegen Gabriels "Deckel" ausgesprochen.

"Die Zeit" zum Thema Biogas

Die "TAZ"

Zur Windenergie: Schon jetzt gibt es in Deutschland massive Konflikte mit dem Naturschutz aufgrund von Windpark-Projekten an allen Ecken! Hier in der Lüneburger Heide werden sogar Waldstücke gerodet und von Unbekannten die Nester seltener Greifvögel ausgenommen, wenn sie Windpark-Projekten im Wege sind! Habt Ihr schon mal bei Info-Veranstaltungen die aalglatten Vertreter der Windkraft-Investoren in Nadelstreifen erlebt, die in ihren schweren schwarzen Limousinen vorfahren und den Bürgern - rhetorisch geschult - das Ökostrom-Zeitalter versprechen und uns Umweltschützer hinterher draußen als Öko-Zecken beschimpfen? Diese Geier haben 0,0 Umwelt-Ambitionen und wollen nichts weiter als die EEG-Subventionen abschöpfen, um damit reich zu werden!
Natürlich sind diese und andere "Heuschrecken" wie Windenergie-Fonds gegen Minister Gabriels "Deckel"! Sie verdienen dann weniger! Dabei muss aus Umwelt- und Naturschutzgründen der "Deckel" bei Wind, Agrargas und "Biomasse" (z.B. Holz) möglichst SOFORT kommen. Wir kämpfen hier wirklich gegen den Ausverkauf der Natur und für den Erhalt der letzten Lebensräume bedrohter Arten!
Ich (und viele andere Naturschützer) können nicht verstehen, dass CAMPACT hier - sicher unbewusst - sich zum Lobbyisten und Unterstützer großer "Erneuerbarer"-Investoren macht und damit eine Klientel unterstützt, die CAMPACT sonst ablehnt!
Wir können doch nicht allen Ernstes - bei einer täglichen Flächenversiegelung zwischen 70 und 131 Hektar seit 1996 - großflächig uns noch verbliebene Naturräume der Industrialisierung durch Windparks preisgeben! Das muss aufhören! Zur Zeit produziert Deutschland einen Energie-Überschuss (der exportiert wird), ein uferloser Ausbau von Energieanlagen ist auch deshalb - zumindest derzeit - völlig plan- und sinnlos und dient nur den Profitinteressen von Hedge-Fonds, Investmentgesellschaften sowie Juwi & Co.! Was noch schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass an den mittlerweile riesigen Windrädern tausende - teils seltene - Vögel und auch Fledermäuse verunglücken, neben Abermillionen von zerquetschten Insekten. Die schädlichen Auswirkungen auf Menschen wie Infraschall und Geräuschkulisse sind noch nicht einmal richtig erforscht.
Lasst euch nicht vor den Karren von Profiteuren und Lobbyisten spannen und beteiligt euch nicht an dieser "Anti-Deckel-Aktion" gegen Umweltminister Gabriel. Dieser Deckel ist dringend erforderlich (obwohl Gabriel sicher andere Motive hat als Naturschutz), genau so wie ein sofortiger "Deckel" für KKW's. Leider urteilen viele Menschen nach dem einfachen Muster: "Atomkraft ist schlecht - alles andere ist gut". Das ist ein Irrtum! Unkontrollierter und hoch subventionierter Windkraft-Ausbau ohne Begrenzung ("Deckel") sowie Agrargas- und sogenannte "Biomasse"-Nutzung (=Plünderung der Natur) sind das Gegenteil eines ökologischen Umbaus der Gesellschaft. Die negativen Folgen für Natur und Landschaft sind - besonders in Niedersachsen - bereits jetzt fast überall zu sehen!
Viele Grüße
Thilo Clavin"

Lesen Sie den Artikel und wundern Sie sich!



Hier können Sie den aktuellen Entwurf des Regionalplans Oder- Spree herunterladen.

Regionalplan Oderland-Spree
Festlegungskarte zum Regionalplan
Umweltbericht



taz vom 18.11.2012

Mehr Geld für die Meereswindkraft


Die Verbraucher zahlen, wenn die Stromanschlüsse für Windparks auf hoher See nicht fertig werden. Das hat der Bundestag entschieden. von Ingo Arzt BERLIN taz | Was passiert, wenn Millionen Euro teure Windräder in der Nordsee stehen, aber kein Kabel verlegt ist, um den Strom an Land zu transportieren? Die Antwort gab gestern der Bundestag: Der Schaden wird fast komplett über die Stromrechnung den Verbrauchern in Rechnung gestellt. Mindestens eine Milliarde Euro an Schäden erwartet die Regierung allein mit den bestehenden Meeresprojekten. Deshalb kommt zu den diversen Umlagen, mit denen die Stromkunden für die Energiewende zahlen, eine weitere hinzu. 0,25 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde müssen dafür ab dem nächsten Jahr hauptsächlich Privathaushalte zahlen- macht für einen Drei-Personen-Haushalt 8,75 Euro im Jahr. Ausnahmen gibt es, wie immer, für die Industrie: Wer mehr als eine Million Kilowattstunden im Jahr verbraucht, zahlt für den restlichen Strom nur noch 0,05 Cent an Umlage für die Seekabel. Die Regelung kommt wegen eines Teufelskreises zustande: Die Betreiber von Übertragungsnetzen an der Küste sind verpflichtet, Windparks auf dem Meer ans Netz anzuschließen, sonst müssen sie Schadenersatz zahlen. Einer der Betreiber, die niederländische Tennet, lamentiert schon lange, dass sie mit dem Bau nicht hinterherkomme, zu komplex sei die Aufgabe. Neue Investoren gebe es aber nicht, weil sie Regress fürchten, wenn sich der Bau verzögere. Tennet zahlt in dem Fall nun noch 17,5 Millionen Euro pro Anschluss, ursprünglich waren 100 Millionen vorgesehen, das nur noch bei grober Fahrlässigkeit. Zudem können Stromkonzerne künftig gezwungen werden, ihre Kraftwerke gegen Entschädigung am Netz zu halten, wenn die Stromversorgung gefährdet ist. Außerdem bekommen mehr Unternehmen künftig dafür Geld, wenn sie ihre Betriebe bei Stromknappheit kurzfristig drosseln- auch das wird auf die Stromkunden umgelegt.


Moz vom 20.11.2012, Ruth Buder 19.11.2012, Red. Beeskow

Vom Winde verweht


Beeskow (MOZ) 2500 Stellungnahmen sind zum Entwurf des Teilregionalplanes Windenergie eingegangen. Wegen zahlreicher Widerstände und veränderter Abstandskriterien zu störungssensiblen Vögeln wird der Entwurf in überarbeiteter Fassung wahrscheinlich noch einmal öffentlich ausgelegt. Zankapfel: Die Verdopplung der Windeignungsfläche in der Oderlandregion ruft Gegner und Befürworter auf den Plan. © MOZ/Jörn Tornow Eine andere Möglichkeit sieht Manfred Zalenga, Vorsitzender der Regionalen Planungsgemeinschaft, nicht. Das sagte er am Montag am Rande der 8. Sitzung der Regionalversammlung der Planungsgemeinschaft Oderland-Spree. Hauptthema der gut besuchten Sitzung im Landratsamt Beeskow war eine erste Auswertung der öffentlichen Auslegung des Windenergie-Entwurfs, der vom 1. August bis 1. November eingesehen werden konnte. Danach sind 92 Quadratkilometer in Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Frankfurt (Oder) für die Errichtung von Windrädern geeignet. Das ist das Doppelte der bisherigen Fläche, insgesamt aber nur zwei Prozent der Gesamtfläche der Region Oderland-Spree. Aufgrund dieser Verdopplung hat es eine Flut von Stellungnahmen gegeben - für die einen ist es zu wenig, für die anderen zu viel. Die meisten Stellungnahmen- 2200 - kamen von einzelnen Bürgern und Bürgerinitiativen. 157 Träger öffentlicher Belange (dazu gehören Behörden und Umweltverbände), 15 Interessengemeinschaften (darunter Kirchengemeinden, Anwälte) und 102 Unternehmen haben ihre Meinungen abgegeben. Sie alle müssen jetzt ausgewertet werden. Eine Mammutarbeit für die Regionale Planungststelle in Beeskow und die Ausschüsse der Regionalen Planungsgemeinschaft. Dazu kommt, dass das Land die Abstandskriterien zu störungssensiblen Vögel verändert hat. Zu Kranichplätzen muss die Abstandsfläche neuerdings nicht mehr 5000, sondern nur noch 2000 Meter betragen. Das hat zur Folge, dass sich bisher ausgewiese Windeignungsgebiete ändern können. Wie schwierig es ist, einen rechtssicheren Regionalplan aufzustellen, der auch vor Gericht standhält, machte Rüdiger Rietzel, Leiter der Regionalen Planungsstelle deutlich. In der Gemeinde Oderaue in Märkisch-Oderland hat sich die Gemeindevertretung für das ausgewiesene Windgebiet ausgesprochen, rund 300 Bürger, die sich in einer Initiative zusammengeschlossen haben, sind dagegen. Das ganze Dorf ist zerstritten. Kein Einzelfall. In den Stellungnahmen sei es nicht nur um raumordnerische Kriterien gegangen, erklärte Rietzel, sondern oft um persönliche Befindlichkeiten, um Energiepreise, um unzureichende Netze oder um die Aufnahme von privaten Flurstücken in den Entwurf. Meistens beklagten die Bürger, dass sie von Windrädern "umzingelt" würden. Zwar müsste ein guter Planer auch die soziale Komponenten beachten, sagte Rietzel, aber hier gehe es um eine zukunftsfähige Energieversorgung, das zu nutzen, was die Natur uns zur Verfügung stelle. "Wir können nicht nur abwehren, wir müssen uns dem Thema aktiv stellen", so Rietzel. Jetzt ist damit zu rechnen, dass es im nächsten Jahr eine Neuauslegung des Windenergie-Entwurfs gibt. Rechtskräftig könnte er dann in etwa drei Jahren sein.


Demo in Potsdam


Gemiensame Demonstration mit ca. 65 Teilnehmern am 14.11.2012, organisiert von der Volksiniotiative rettet Brandenburg vor dem Landtag in Potsdam. Die Bürgerinitiative Gegenwind im Oderbruch war mit Mitgliedern aus Golzow und Neulewin dabei. Der energiepolitische Sprecher der CDU Steeven Bretz bot uns einen Gesprächstermin an. Im Februar wird die BI "Gegenwind im Oderbruch" Herrn Bretz einladen. Wir informieren Sie rechtzeitig.
Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch"
Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering



Moz vom 07.11.2012Andreas Wendt 07.11.2012 20:15 Uhr

Mit Adleraugen: Ein Stern verliert Glanz


(MOZ) Bundesweit hat Brandenburg mehrere Jahre hintereinander für sein Voranschreiten beim Ausbau erneuerbarer Energien Preise eingeheimst. Windkraft, Biomasse und Photovoltaik haben das Bundesland zum Vorreiter in Sachen Erneuerbare, zum deutschen Leitstern gemacht. Doch nun müssen die Kunden für den Erfolg teurer zahlen als andere, weil sich die Dankbarkeit anderer Bundesländer für grüne Energie aus Brandenburg in Grenzen hält, wenn sie überhaupt dort ankommt. Es fehlt an Übertragungskapazitäten. Der Netzausbau hinkt der Erzeugung grüner Energie weit hinterher. Der Bund bestraft umweltfreundliche Produzenten wie Brandenburg mit einem Netzentgelt, das nach dem Territorial-, dem Verursacherprinzip erhoben wird. Das Vorpreschen Brandenburgs bei den Erneuerbaren Energien baden somit vorerst die märkischen Verbraucher aus, deren Strompreis in die Höhe schnellt. Der Akzeptanz der Energiewende ist diese Entwicklung sicherlich nicht dienlich, und auch nur schwer erklärbar.


Moz vom 28.10.2012

Vom Winde verdreht


Red. Bad Freienwalde, Nadja Voigt Prof (MOZ) Beauregard/Wriezen. Das geplante Windfeld 46, das laut Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree die Gemeinden Neulewin und Beauregard gleichermaßen umfasst, erhitzt die Gemüter. Und führt zu unterschiedlichen Stellungnahmen. Wie positioniert sich Wriezen zum geplanten Windfeld 46 in Beauregard? Diese bisher unbeantwortete Frage ließ die Windkraftgegner der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" in die Wriezener Stadtverordnetenversammlung strömen. Dabei stand das Thema überhaupt erst auf der Tagesordnung, weil die SPD-Fraktion das zu Beginn der Sitzung beantragt hatte. Fraktionsvorsitzende Jutta Werbelow regte sogar eine öffentliche und namentliche Abstimmung über den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan an. Eine Mehrheit der Abgeordneten sprach sich anschließend dafür aus und brachte es auf einen Minimalkonsens. Denn der von den Gegnern vehement geforderten Ablehnung des Windfeldes folgten die Abgeordneten damit nicht. Es galt mit dem Verfahren lediglich zu verhindern, dass die Stadt ihren Einfluss auf die Entwicklung des Feldes abgibt. "Wir sind der Auffassung, dass wir den Regionalplan positiv begleiten sollten, deshalb haben wir den Beschluss vorgelegt", so Bürgermeister Uwe Siebert (parteilos). Auch die Gemeinde Neulewin beschäftigt das Windfeld 46. Im Gegensatz zu Wriezen hat sich die Gemeinde aber eindeutig gegen den Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft ausgesprochen und dieses Schriftstück in der jüngsten Gemeindevertretersitzung verabschiedet. Darin listet der Direktor des Amtes Barnim-Oderbruch, Karsten Birkholz, im Namen der Gemeinde Argumente gegen die geplante Fläche auf. Dazu zählt, dass die Abführung der gewonnenen elektrischen Energie nicht berücksichtigt wurde, die Speichermöglichkeiten nicht gegeben seien und der Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche die Versorgungssicherheit gefährden werde. Darüber hinaus führt die Amtsverwaltung aus, dass die mögliche Höhe künftiger Windkraftanlagen einen größeren Abstand zur Wohnbebauung erforderlich mache und durch die Anlagen Auswirkungen auf den Funkempfang zu befürchten seien. Außerdem sei die Prüfung hydrologischer Aspekte des Oderbruchs nicht erfolgt, ebenso wenig wie die Prüfung und Festlegung eines Wirtschaftlichkeitsmaßes. Ferner führte Amtsdirektor Karsten Birkholz eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Belange des Tourismus an. Für das älteste Kolonistendorf im Oderbruch würde zudem das Alleinstellungsmerkmal "Historischer Dorfkern" entfallen - das Dorf ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Dörfer mit historischen Dorfkernen im Land Brandenburg. Als zehntes und letztes Gegenargument, so heißt es in dem Schreiben, fehle die Akzeptanz der Bürger. Das konnte Professor Hannelore Scholz-Lübbering von der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" nur bestätigen. Sie und ihre Mitstreiter hatten bis gestern über 400 Einwände von Bürgern gesammelt( Anmerkung Admin: Es waren 542 Einwendungen) und sie in Beeskow persönlich dem Leiter der regionalen Planungsgemeinschaft, Rüdiger Rietzel, übergeben.


Moz vom 28.10.2012

Bürger von Oderaue stellen Vertrauensfrage


Neureetz (MOZ) Selten war eine Gemeindevertretersitzung in Oderaue mit mehr Spannung erwartet worden als die jüngste. Am Freitagabend fanden sich die gewählten Mitglieder und rund 70 Einwohner im Bürgerhaus in Neureetz ein. Seit Monaten hatten Almut Undisz vom Theater am Rand, Kenneth Anders aus Croustillier und Udo Schagen aus Altwustrow um einen Termin für eine Bürgerversammlung gebeten. Die gewährte ihnen Bürgermeister Bodo Schröder auch diesmal nicht, sondern setzte eine Gemeindevertretersitzung an. An deren Anfang stand der Vortrag des Bürgermeisters der Stadt Treuenbrietzen, deren einer Ortsteil die energieautarke Gemeinde Feldheim ist. Seit 15 Jahren entsteht dort - gemeinsam mit den Bürgern, wie Michael Knape betonte - eine "regionale regenerative Energieversorgung als Alternative für eigenständige Wirtschaftskreisläufe". Die 43 Windkraftanlagen rund um das 100-Seelen-Dorf seien der Dreh- und Angelpunkt des vielfach prämierten Projektes. Und da die Gemeinde Feldheim den Gemeindevertretern Oderaues als leuchtendes Vorbild gilt, befürchten viele Bürger Oderaues, dass auch bei ihnen bald am Ortsausgang ein Sch ild "Achtung Gefahrenzone" prangt, wie am Freitag deutlich wurde. "Auch in Feldheim gab es Bedenken", sagte Knape in seinem Wortbeitrag. "Die haben wir aufgegriffen und unsere Chance trotzdem zu nutzen gewusst." Tobias Morgenstern vom Theater am Rand in Zollbrücke machte deutlich, dass sich die Frage des Landschaftsbildes im Oderbruch anders stelle. "Hier kann sich kein Windrad verstecken", sagte er. Scharf wies er darauf hin, dass derartige Vorhaben keine Privatangelegenheit seien und es nicht vertretbar sei, dass eine solch weitreichende Entscheidung wie der Einwand der Gemeinde gegen den Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft, die für Oderaue kein Windeignungsgebiet vorsieht, allein von Landbesitzern und einer Firma initiiert seien. Dieses Eindruckes konnten sich dem Vernehmen nach viele Besucher des Abends nicht erwehren und forderten die Gemeindevertreter auf, die Menschen, die sie wählen, auch zu vertreten und sie in solche Prozesse mit einzubeziehen. "Sie müssen uns Bürger frühzeitig einbinden", forderte Charlotte Martens. Nur das würde Akzeptanz und Transparenz schaffen, sagte die Altwustrowerin und forderte ein modernes Politikverständnis. "Wir müssen eine Kultur der Auseinandersetzung pflegen", sagte Kulturwissenschaftler Kenneth Anders, dem der Bürgermeister die Moderation des Abends übertragen hatte. Nur so könne die Qualität der Gemeindearbeit verbessert werden. "Und das Thema zugereist oder nicht hat in der Diskussion nichts zu suchen", stellte er klar. Obwohl Amtsdirektor Karsten Birkholz eine Beteiligung der Bürger eingefordert hatte, hätten die Gemeindevertreter Nägel mit Köpfen gemacht, kritisierte Peter Rossa aus Mädewitz. "Ein Großteil von ihnen sind Landeigentümer. Es entsteht der Eindruck, dass sich hier ein paar auf Kosten der Allgemeinheit bereichern wollen", machte Thomas Ahrens aus Neuranft seinem Ärger Luft. "Den Verdacht können sie kaum noch abwaschen." Auch wenn Bürgermeister Bodo Schröder - auch auf Druck der Gemeindevertreter - an diesem Abend den Weg frei machte für künftige Bürgerversammlungen. Doch für das aktuell diskutierte Problem, dass die Gemeinde gemeinsam mit der Firma Neue Energie Adlig Reetz von Hans Römer einen Windpark plant, sind alle Messen gesungen. Fristgerecht übersandte das Amt den Einwand der Gemeinde an die Regionale Planungsgemeinschaft in Beeskow. "Stellen sie sich den Tatsachen", forderte Römer die Anwesenden auf. Die Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzfläche sei der Sinn der Trockenlegung des Oderbruchs gewesen, die Landwirtschaft habe die Infrastruktur erst möglich gemacht, und ein Landschaftsbild ändere sich beständig. Windgeräusche, Infraschall, Schattenwurf und die Größe der Fundamente versuchte er zu relativieren. "Welche Rolle spielen sie eigentlich?", fragte Uwe Schulz aus Altreetz. "Ich bin Projektentwickler und arbeite umsonst für die Gemeinde Oderaue", antwortete Römer.

Moz vom 28.10.2012

Windparkpläne abgelehnt


(Lesen Sie im Zusammenhang mit dem Artikel "Protest... weitet sich aus") Vierlinden/Neutrebbin/Lebus (MOZ) Der Teilregionalplan Windenergie schmeckt den Gemeinden nicht. Vierlinden will größere Abstände zwischen den Eignungsgebieten, Lebus keine Erweiterung des Windparks bei Wulkow. Und Neutrebbin, das einst in den Plan aufgenommen werden wollte, lässt salomonisch die Frist zur Stellungnahme verstreichen.
Vierlinden. Nach der zweiten Lesung ihrer Stellungnahme zum Teilregionalplan Windenergienutzung haben die Vierlindener Abgeordneten eine Verhinderungsplanung beschlossen. Ihr Schreiben an die Regionale Planungsgemeinschaft sieht einen Regelabstand von fünf Kilometern zwischen den Eignungsgebieten vor. Der wird bei den bisher ausgewiesenen Flächen nicht erreicht. Der Plan ist damit hinfällig.
Neuentempels Ortsvorsteher Bernd Baier kritisierte im Zuge dessen, dass Märkisch-Oderland die Hauptlast an Windrädern zu tragen hätte. Nach seinen Berechnungen 16 Prozent mehr als der Landkreis Oder-Spree. Zudem merkte Baier an, dass die Planung laut Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) 60 Prozent über dem Bedarf liege.
"Wenn wir alle unsere Forderungen stellen, sind wir Verhinderer", merkte Bürgermeister Dirk Ilgenstein an. Er habe, so ein weiterer Punkt in der Stellungnahme, auch kein Problem mit Windrädern im Wald. Schließlich könne man sich darüber streiten, ob Waldflächen wertvoller als Acker und Wiese seien. "Wenn ein Windrad Feuer fängt, brennt der Wald", sagte Amtsdirektorin Roswitha Thiede zum Thema. Letztlich meldeten drei der elf Abgeordneten Befangenheit an. Eine klare Mehrheit von sieben Gemeindevertretern stimmte dafür, die Forderungen in der Stellungnahme aufrecht zu erhalten. Einer war dagegen.
Lebus. Die Stadtverordneten haben am Donnerstagabend mit großer Mehrheit die im Teilregionalplan vorgesehene Erweiterung des Windeignungsgebietes Nr. 28 bei Wulkow abgelehnt. Sie begründen dies vor allem mit dem "schon jetzt erheblichen und unzumutbaren Eingriff in die Lebensqualität" der Bewohner der Lebuser Ortsteile Wulkow und Schönfließ durch die bereits stehenden Windräder.
Die Stadtverordneten führen zudem weitere Argumente ins Feld: Wie die ersten Beispiele zeigen würden, sinke der Wert der Grundstücke in der Nähe von Windparks. Das Lebuser Land, 2003/04 zur "Landschaft des Jahres" gekürt, werde durch die Verspargelung touristisch unattraktiver. Und auch den aktuellen Streit von Bundesumweltminister Altmaier mit seinen Kollegen aus den Ländern machen sich die Lebuser in ihrer Argumentation zunutze: Angesichts fehlender Stromleitungen und überlasteter Netze müsse erst die Infrastruktur ausgebaut werden, bevor weitere "Mühlen" gebaut werden, meinen die Abgeordneten.
Der Antrag des Mallnowers Andreas Weber, auch die Erweiterung des Windeignungsgebietes Nr. 20 bei seinem Ortsteil abzulehnen, bekam keine Mehrheit. Man könne nicht alles, was der Teilregionalplan für die Stadt Lebus vorsehe, ablehnen, meinte etwa der Bauausschussvorsitzende Otto Christoph. Da der Windpark nördlich von Mallnow liegt, sei kaum mit einer Belastung durch Schattenwurf und Lärm für die Dorfbewohner zu rechnen, so der Lebuser.
Neutrebbin. Im Wuschewierer Gemeindezentrum herrschte am Donnerstag dicke Luft. Nicht nur aus diesem Dorf, auch aus Neutrebbin, Alttrebbin und Altlewin waren aufgebrachte Bürger zur Gemeindevertretersitzung gekommen. Dort stand die Frage zur Beschlussfassung an, ob Neutrebbiner Einwände gegen den Teilplanentwurf Windnutzung erheben oder nicht. Hintergrund war die Tatsache, dass die Neutrebbiner im Zuge ihres Kampfes gegen die CCS-Lagerungspläne von Vattenfall beschlossen hatten, sich der alternativen Energie-Erzeugung zu öffnen. Daran erinnerte auch Bürgermeister Siegfried Link an diesem Abend. Das Bauamt hatte auf der Grundlage von Investorenfragen die beiden Gebiete dargestellt, auf denen Windräder stehen könnten. Eines befindet sich bei Alttrebbin/Altlewin und eines an der Bahnstrecke zwischen Altbarnim, Wuschewier und Sietzing. Beide Gebiete werden von der Mehrheit der Bürger abgelehnt. Das machten die Teilnehmer der Versammlung in der Bürgersprechstunde deutlich. Mehr als 140 Unterschriften sind bereits in Alttrebbin/Altlewin dagegen gesammelt worden. Rund 70 in Altbarnim.
Jürgen Dunkel aus Altlewin erinnerte an fast 20 Jahre alte Beschlüsse der damals noch selbstständigen Gemeinden gegen Windkraftanlagen. "Bereits jetzt können wir die Windräder von Bochows Loos hören. Und nun werden sogar noch viel höhere und leistungsstärkere geplant!"
Auch in der Gemeindevertretung hat sich ein Meinungswandel vollzogen. Das machte etwa Friedrich Zimmermann deutlich: "Wir haben genug erneuerbare Energie-Erzeuger in Neutrebbin." Auf Antrag von Reno Steinborn wurde das Thema auf November vertagt und damit auf einen Zeitpunkt nach Ablauf der Einspruchsfrist. Somit sind auch die Forderungen der Gemeinde nach neuen Windparks vom Tisch.

Protest gegen Windkraft breitet sich aus


Beauregard/Wriezen (cs) Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" haben ihren Aktionsradius auf Wriezen ausgeweitet. Denn das ausgewiesene Windfeld 46 überschreitet die Gemeindegrenzen von Neulewin in Richtung Beauregard. Doch der Protest in Wriezen steckt noch in den Kinderschuhen. Volles Haus zur Bauausschusssitzung Wriezen Anfang der Woche: Gleich fünf Vertreter der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" sind mit ihren blauen Protest-T-Shirts erschienen. Ihr Ziel: Die Reaktion der Abgeordneten zum Windfeld 46, das von der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree in den neuen Teilregionalplan Wind aufgenommen wurde, zu erfahren. Denn während im Amt Barnim-Oderbruch der Kampf gegen die Windmühlen längst offen ausgetragen wird, ist es in der ebenso betroffenen Nachbarstadt erstaunlich ruhig. Das verwundert auch die Vertreter der Bürgerinitiative, die mehrheitlich aus dem Amtsbereich stammen. Nur Jürgen Köhler aus Beauregard vertritt die Gemeinde in der Sitzung. Er fühlt sich umzingelt von Biogasanlagen und der zunehmenden Zahl von Windrädern. "Man ist schon fast soweit, hier wegzuziehen", sagt er. Und ärgert sich darüber, dass in seinem Ort kein lautstarker Protest aufflammt, dass seine Mitmenschen kaum Interesse an den wichtigen politischen Entscheidungen haben. Einwohnerversammlung oder gar Diskussionsrunden - Fehlanzeige im Wriezener Ortsteil. Im Gegenteil: Es scheint fast so, als würden die Beauregarder abwinken, sobald das Thema auf die Windkraft kommt. Für das baurechtliche Fachwissen sitzen der in der Stadtverwaltung zuständige Fachbereichsleiter Karsten Ilm und Wolfgang Skor, sachkundiger Einwohner und Diplom-Ingenieur, im Bauausschuss. Wie schon in Neulewin wollen die Wriezener mit der Änderung des Flächennutzungsplanes, einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan und vor allem mit der Änderungssperre ihren Einfluss auf das geplante Windfeld in Beauregard bewahren. "Ob wir da nun zustimmen oder nicht, das ist doch sowieso egal", zeigt sich Eberhard Tonne (CDU) skeptisch. Da widerspricht Wolfgang Skor vehement: "Wenn wir gar nichts machen und uns nirgendwo einklinken, dann entsteht vielleicht etwas, das wir gar nicht wollen." Wildwuchs an Windkraftanlagen, das könne nicht der Wunsch der Wriezener sein. Insbesondere die Änderungssperre sei von signifikanter Bedeutung: "Dieser Beschluss ist der wichtigste überhaupt, weil er verhindert, dass irgendjemand sich des Gebiets bemächtigt, ohne mit der Stadt gesprochen zu haben." Zwei Jahre lang hält die Stadt nach Abstimmung und Veröffentlichung des Beschlusses die Hand über ihr Gebiet. Mehrheitlich gaben die Abgeordneten die Empfehlung, die Beschlüsse so zu treffen. Zuvor hatte Sigrid Lüneberg, Sprecherin der Bürgerinitiative, gemahnt, sich mit dem Amt Barnim-Oderbruch zur Vorgehensweise abzustimmen. Denn Amtsdirektor Karsten Birkholz hätte angeregt, die Änderungssperre erst so spät wie möglich zu verabschieden, um die Zwei-Jahres-Frist sinnvoll ausnutzen zu können. Wolfgang Skor kennt aber noch einen weiteren Winkelzug, um den Einfluss der Stadt abzusichern. "Wirksam wird die Änderungssperre erst, wenn der Beschluss von Amtswegen öffentlich bekanntgemacht wurde. Wenn wir damit warten, können wir das Problem umgehen." Ob dieser Schritt rechtlich vertretbar ist, will die Stadtverwaltung nun noch einmal prüfen. Indes hat die Bürgerinitiative eine Aufklärungskampagne in Beauregard gestartet. Die Mitglieder sind sich einig, dass ihre Chancen, das Windfeld vor ihrer Haustür zu verhindern, steigen, je mehr ablehnende Stellungnahmen von den betroffenen Orten ausgehen. Am Dienstagabend statteten sie deshalb vielen Einwohnern einen Besuch ab und trafen auf große Unkenntnis in Bezug auf die Pläne. "Wir sind bei vielen auf offene Ohren gestoßen. Mehr als 40 Stellungnahmen gegen das Windgebiet wurden abgegeben", bilanziert Sigrid Lüneberg. Es sei erschreckend, wie wenig informiert die Menschen seien. Selbst wenn sie die Mühlen eigentlich verhindern wollten. "In Wriezen gibt es keine Einwohnerversammlung, keine öffentliche Diskussion zum Thema. Die Leute haben nur die Internetabstimmung, und selbst daran können sich viele Leute gar nicht beteiligen, weil sie entweder viel zu langsames oder gar kein Internet haben. Und selbst wenn, was passiert mit dem Ergebnis? Und wie positioniert sich die Stadtverwaltung dazu, die ebenfalls als Behörde eine Stellungnahme abgeben muss", fragt die Neulewinerin. Wriezen und Neulewin säßen im gleichen Boot. Und die Zeit drängt. Bis zum 1. November sollen alle Stellungnahmen bei der Planungsgemeinschaft eingegangen sein.

Protestbrief an den Ministerpräsident Platzeck


Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch"
Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering
16259 Neulewin
Sigrid Lüneberg
Neulewin 101
16259 Neulewin

Ministerpräsident des Landes Brandenburg
Herr Matthias Platzeck
Heinrich- Mann- Allee 107
14473 Potsdam

Neulewin 132
Neulewin, 30.09.2012

Protest gegen den Entwurf des sachlichen Teilregionalplanes "Windenergienutzung" der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree (WEG Neulewin-Wriezen Nr. 46)

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzeck,
wir sind eine 2010 gegründete gemeinsame Bürgerinitiative, die mehrere Orte des Oderbruches umfasst. In dieser sind Bürger aus unterschiedlichen sozialen Schichten und vielfältigen Berufen vertreten. Aus aktuellem Anlass protestieren wir entschieden gegen die Vorhaben des Landes, die Windanlagen in Brandenburg zu verdoppeln. Für das Oderbruch und deren Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das, dass ihre vorrangigen Belange wie Bewahrung der einzigartigen Kulturlandschaft, Beachtung von regionalen Entwicklungskonzepten und insbesondere die Achtung der Lebensbedingungen der Menschen ganz offenbar keine Berücksichtigung finden.
Sie, Herr Minister, wurden als Retter des Oderbruchs 1997 gefeiert und wir nannten sie liebe- und achtungsvoll "Deichgraf". Ganz offensichtlich haben sie diese "spät entdeckte Schönheit" noch nicht vergessen, denn während Ihrer diesjährigen Sommer-Pressefahrt lobten Sie die Entwicklung des Tourismus und schwärmten vom Oderbruch.
Die nachhaltige Entwicklung dieses kostbaren Kleinods ist hochgradig gefährdet.
Seit Jahren ziehen Werber von Windkraftenergieanlagenbau aufdringlich und mit vollmundigen Versprechen durch das Oderbruch. Die Gemeindekassen sind leer, die kommunalen Verantwortlichen, wer kann es ihnen verübeln, hoffen auf Gelder. Nicht nur die Werber beziehen sich in ihrer Argumentationsstrategie auf die Politik. Es muss der Eindruck entstehen, dass durch den Beschluss der "Energiestrategie 2030" einer ungezügelten Massenbebauung mit Windanlagen Tür und Tor geöffnet sind. Da es noch keine Speichertechnologien gibt, sollte nicht ein zweiter Schritt vor dem ersten gemacht werden.
Es wird keine "Energiewende" geben, sondern aus unserer Sicht einen "Strukturwandel der Öffentlichkeit" (Habermas), d.h. einen Strukturwandel der Gesellschaft. Diesen Wandel können wir nur durch die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger erreichen. Genau das aber geschieht nicht. Hier werden Bürgerinnen und Bürger nicht informiert, zukunftsweisende Beschlüsse gefasst, die den Profit Weniger sichern, aber die Betroffenen ungefragt vor vollendete Tatsachen stellt. Sie werden entmündigt, müssen als Rechtfertigung ihrer Einschränkung der Lebensumwelt, der Entwertung ihrer liebevoll aufgebauten Häuser und gestalteten Grundstücke die Notwendigkeit der "Energiewende" hinnehmen. Die Menschen in dieser Region kämpfen gegen das Hochwasser, das "Binnenhochwasser", die Biber, weil sie die Deiche zerstören. Was ist noch zumutbar? Es soll hier ausdrücklich klargestellt werden, dass wir nicht gegen Windkraftanlagen sind, aber gegen Windparks im Oderbruch. Wir protestieren gegen den Missbrauch von hochwertigen Ackerflächen. Die Böden gehören in die Hände der Bauern, die hier hochwertige Landwirtschaft betreiben. Immer mehr und höhere Windkraftanlagen sind politisch erwünscht. Auch im flachen Oderbruch mit seinen malerischen Landschaften? Für solche Politik haben wir Bürgerinnen und Bürger kein Verständnis. Das war auch kein Wählerauftrag. Die Akzeptanz für diesen Plan ist von uns nicht zu erwarten. 2010 haben unter anderen die Gemeinden Neulewin und Golzow eindeutig bekundet: Wir wollen keine Windkraftanlagen in unseren Dörfern. Jetzt aber sind wir mit Planungen konfrontiert, die den erklärten Bürgerwillen außer Kraft gesetzt haben. Das werden wir nicht widerspruchslos hinnehmen. Wir sind uns als Eltern und Großeltern der Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generation bewusst und müssen und wollen die Suche nach maßvollem Energieumgang unterstützen, um den Kindern eine bewohnbare Erde zu hinterlassen.
Aus diesem Grunde fordern wir:
Keine Windanlagen in der Gemarkung Neulewin-Wriezen im Oderbruch!
Mindestabstandsregelungen von 3000m, da die Höhe der Windräder auf über 200m angewachsen ist.
Im Mittelpunkt muss der Mensch stehen, seine Gesundheit und sein Eigentum müssen geschützt werden.
Schutz des Landschaftsbildes! Keine Versiegelung von hochwertigen Ackerflächen!
Schutz der Tierwelt!
Durchsetzung eines strengeren, aussagefähigen Immissionsschutzverfahrens durch die Landesregierung (Einbeziehung von Messungen im nichthörbaren Niederfrequenzbereich- Infraschall, unabhängige Schallpegelmessungen)
Die aktuellen Genehmigungsverfahren für WKA führen bei der Bevölkerung zur massiven Ablehnung von alternativer Energiegewinnung durch Windkraft. Wir lehnen konsequent die Errichtung eines Windparks in unserer Heimat Neulewin ab. Wir fordern angesichts schwerster Schäden, die dem Oderbruch im Land Brandenburg drohen, den ökologisch und ökonomisch sinnlosen Ausbau der Windenergienutzung in dieser Region zu stoppen. Wir bitten um Unterstützung unseres Kampfes gegen eine unkritische Technikförderung und für den Erhalt dieser traditionsreichen, einmaligen Landschaft um den Ort Neulewin im Oderbruch.
Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering
Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch"
Sigrid Lüneberg
Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch"

Verteiler:
Umweltminister Peter Altmayer
Landrat Gernot Schmidt
Amtsdirektor Karsten Birkholz
Bürgermeister Horst Wilke

"Energiepolitik in Deutschland- Blick von außen"


Bericht über den Diskussionsabend - die Energiepolitik in Deutschland- Blick von außen Am 05.09.2012 luden die Staatssekretärin Tina Fischer und der Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg zu einem Diskussionsabend über die Energiepolitik in die Landesvertretung nach Berlin ein. Die Bürgerinitiative Gegenwind im Oderbruch war durch Sigrid Lüneberg, Ulli Lüneberg und Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering vertreten. Der Minister sprach einführend über die Energiestrategie 2030 und die damit zusammenhängenden Probleme:
- 2013/14 muss die Speichertechnologie entwickelt werden,
- dazu wird eine Speicherinitiative gestartet,
- um den Stromtransport zu garantieren, müssen Stromtrassen gebaut werden. Dies sei eine zentrale Aufgabe,
- betont wurde die Vorreiterrolle und Verantwortung Brandenburgs für die Durchsetzung der Energiewende in Deutschland. Der Weltenergierat tage in Brüssel und wird über Strategien beraten.
Diese ehrgeizigen Ziele sind nur mit der Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Aus diesem Grunde war an diesem Abend auch oft von Bürgerbeteiligung die Rede. Wir alle wissen, dass in Brandenburg zu viele Windräder still stehen, weil sie öfter abgeregelt werde müssen. Der hierdurch vergeudete Strom muss dennoch bezahlt werden. Der Ausbau der Netze hält gegenwärtig der Überproduktion nicht stand. Der Minister Altmaier warnte bereits vor dem raschen Ausbau von Windenergie. Mit einer Überkapazität von Ökostrom sei der Energiewende nicht gedient. Im Diskussionsforum mit Minister Ralf Christoffers, Jürgen Stotz (Weltenergierat), Werner Diewald (Vorstand ENERTRAG AG), Christian Hoßbach (DGB Berlin-Brandenburg) war der Fokus auf die Ausgestaltung der Speichersysteme gelegt. Es wurde deutlich, dass es bei der Energiewende um einen Strukturwandel der Gesellschaft geht, gehen muss, weil Ökostrom ansonsten unbezahlbar ist. Es kamen nur 2 Vertreterinnen von Bürgerinitiativen zu Wort. Ihre Argumente und Anfrage betrafen die Notwendigkeit von Bürgerbeteiligung an Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen. Die Volksinitiative Rettet Brandenburg forderten einen Dialog statt Bevormundung. Der Minister verteidigte sich, bot aber keinen Termin für einen runden Tisch vor dem 17.01.2013 an. Auch die Bürgerinitiative zur Rettung des Waldes gab sich mit der Auskunft, es sei nur Nutzwald, nicht zufrieden. Für ein Windrad müssen mehr als 6000 m2 gerodet werden. Die "Energiestrategie 2030", die die Landesregierung beschlossen hat, geht davon aus, dass die über 3000 Windanlagen verdoppelt werden. Die regionalen Planungsgemeinschaften wurden mit der Planung beauftragt. Trotz des Widerspruchs der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Neulewin wurde ein Windeignungsgebiet in unsere Gemeinde ausgewiesen. Wir fordern die Bürgerbeteiligung. Stoppen wir gemeinsam die Massenbebauung mit Windanlagen im Oderbruch! Schreiben wir Einwendungen und fordern demokratische Bürgerrechte! Kommen sie in die Sprechstunde jeden Donnerstag von 16-17 Uhr im Infopunkt in Neulewin. Bürgerinitiative Gegenwind im Oderbruch,
Sigrid Lüneberg und Prof. Dr. Hannelore Scholz


"Report München" berichtete über gescheiterte Energiewende


Hier kommen Sie zum Video:
"Ungerecht, teuer, absurd- die konzeptlose Energiewende"

Script zur Sendung

Rechtlicher Hinweis: Das Script zur Sendung darf nur privat verwendet werden. Eine öffentliche Auslage ist nicht gestattet.

Einwohnerversammlung Neulewin


Am 26.08.2012 fand auf Einladung des Bürgermeisters Horst Wilke eine Informationsveranstaltung zum Thema Errichtung eines Windparks in der Gemeinde Neulewin statt. Viele Neulewinerinnen und Neulewiner waren gekommen, um ihren Unmut über die Entscheidung der Gemeindevertreter zu artikulieren. Diese hatten am 20.06.2012 mit nur zwei von vier Stimmen einem Bebauungsplan für Windräder zugestimmt. Auf Einladung des Bürgermeisters war auch der Amtsdirektor Karsten Birkholz anwesend. Er erläuterte die Entscheidung und führte als Hauptargument die Veränderungssperre von zwei Jahren an. Sie diene dazu, der Willkür und zügellosen Ausnutzung der Flächen zum Aufstellen von Windrädern entgegenzuwirken. Außerdem habe Neulewin dadurch ein Mitgestaltungsrecht. Die Problematik ist, dass die Regionale Planungskommission Oderland- Spree bisher nur einen Entwurf vorgelegt hat. Es gibt noch keine gültigen Karten und die Prüfung der vorgeschlagenen Eignungsgebiete ist nicht abgeschlossen. So ist im Umweltbericht (Entwurf) Neulewin-Wriezen (46) die Eignungsfläche mit vier Negativpunkten von acht möglichen versehen. Unter der Rubrik Alternativenprüfung ist zu lesen "Alternativen möglich, Nullvariante möglich". Die Empörung der Menschen kam in vielen Fragen zum Ausdruck, da konkrete Angaben zu Abstandsregelungen, Anzahl oder Begrenzung nicht gegeben werden konnten. Die Sprecherin der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" in Neulewin Frau Sigrid Lüneberg hat sehr überzeugend den Bürgerwillen der Einwohner offengelegt. Frau Lüneberg appellierte an die Einwohner, gemeinsam gegen die Zerstörung der Landschaft, Einschränkung der Lebensqualität und Entwertung der Grundstücke zu kämpfen. Sie hatte bei Ihren Besuchen in den Haushalten über 60 Stellungnahmen gesammelt, die dem Bürgermeister übergeben wurden. Die Willensbekundung der Menschen ist eindeutig: Die Neulewiner wollen keine Windräder. Die kontroverse Diskussion führte dazu, dass die Mitglieder der Bürgerinitiative und Herr Birkholz gemeinsam eine Stellungnahme zum Entwurf des Eignungsgebietes erarbeiten wollen. Ab dem 01.08.2012 liegen der Plan und die Karte im Amt Wriezen aus. Nach Einsicht und Beratung wird es Ende August den ersten Runden Tisch geben. Die Stellungnahme wird in der nächsten Gemeindevertreterversammlung vorliegen und mit den Anwesenden diskutiert. Wir werden Sie über alle weiteren Schritte informieren. Sie können sich auch gern mit Fragen und Hinweisen an Frau Lüneberg oder mich wenden.
Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch"
( Prof. Dr. Hannelore Scholz-Lübbering )


Windkraft- Das schmutzige Geheimnis der Energiewende


15.08.2012 von Horst von Buttlar, Finacial Times Deutschland
Langsam kommt es ans Licht: Die Energiewende stockt nicht nur, sondern offenbart gleichzeitig ein gut gehütetes Geheimnis Sie ist eines der größten Umverteilungsprogramme von unten nach oben seit Langem. Es gibt jetzt viele neue Wendegeschichten. Nein, nicht die über Tüftler und Erfinder, die neue Motoren bauen oder an Wunderwirkstoffen forschen. Diese neuen Wendegeschichten erzählen vor allem von Geld. Von friesischen Bauern, bei denen ein Ferrari zwischen Traktor und Schlepper steht und die sich jeden Morgen fragen, ob sie ihr Feld, auf dem Windräder stehen, noch pflügen sollen oder nicht. Oder von einer bekannten deutschen Kanzlei, die einen zweistelligen Millionenbetrag in Sonnenparks investiert hat, einen Teil der Summe schön als Sonderabschreibung geltend machte und nun händeringend überlegt, wie sie die Hunderttausende, die jeden Monat hereinkommen, steuerlich schonend gestaltet. Oder von dem bayerischen Landwirt, der auf das große, glitzernde Solarzellenkleid seiner Scheunen zeigt und grinsend sagt: "Das sind jetzt 20.000 Euro pro Monat." Ja, das Grinsen über das leicht verdiente Geld ist eines der Gesichter dieser Wende geworden. Noch ist es nicht so sichtbar und bekannt, aber es ist an der Zeit, dieses Gesicht den Deutschen genauer vorzustellen. Langsam wird uns bewusst, dass diese Energiewende nicht nur stockt - sondern ein schmutziges Geheimnis hat. Langsam sickert es durch, so wie vor einigen Tagen, als Verbraucherschützer über die hohen Strompreise klagten: 2007 zahlte jeder Haushalt im Schnitt 35 Euro für alternative Energien. Ab 2013, wenn die Umlage von 3,5 Cent auf über 5 Cent steigt, werden es 185 Euro sein. Die vergangenen Jahre hat das kaum jemanden aufgeregt, weil viele Deutsche die Umlage als eine Art Spende für einen guten Zweck empfinden. Das kann man so sehen. Doch es ist etwas naiv. Denn das Geld wandert in die Taschen einer Branche, die wie die Auto- oder Pharmabranche in erster Linie ein Ziel hat: Sie will Geschäfte machen. Vor allem jetzt, da die Energiewende zu einem neuen Goldrausch geführt hat. Wir sollten also wenigstes ehrlich sein - in Zeiten, in denen Armeen von Vertretern und "Beratern" von Enercon, Repower oder den vielen obskuren Solardienstleistern durchs Land ziehen. Es geht nicht um ein höheres Ziel oder einen guten Zweck. Das ist die Story, die bei Bürgerversammlungen erzählt wird. Es geht ums Geld. Genauer gesagt: um richtig viel Geld für richtig wenige, Geld, das sich Betreiber, Investoren, Verpächter und Hersteller aufteilen. 16,4 Mrd. Euro betrug die EEG-Umlage 2011, im kommenden Jahr sollen es 20 Mrd. sein. Die Gemeinden werden mit Steuerversprechen geködert (oder gespalten), die oft nicht eingehalten werden. Bedenken oder Einwände werden auf diese Weise einfach weggekauft. Um mal konkret zu werden: Wenn Sie einen Acker oder eine Wiese haben, können Sie die Fläche für ein paar Hundert Euro pro Hektar und Jahr verpachten - je nach Standort und Bodengüte. Wenn das Grundstück geeignet ist und Sie es an Windradbetreiber verpachten, bekommen Sie das Hundertfache. Je nach Standort gibt es eine Grundpacht zwischen 10.000 und 25.000 Euro, oft werden die Verpächter an der Umlage beteiligt und kommen auf Werte von über 50.000 Euro - pro Windrad. Fazit: Wer sich ein paar Windräder hinstellen lässt, muss oft nicht mehr arbeiten. Wenn ich könnte, würde ich das natürlich auch tun - denn dann müsste ich keine Artikel mehr über Windräder schreiben. Doch es geht nicht um meinen Neid. Es geht um die Lieblingsfrage der Deutschen: Ob das nicht ungerecht ist. Und ob da nicht etwas völlig außer Kontrolle geraten ist. Denn auch für 5000 Euro würde sich die Verpachtung noch lohnen. Sprich: Die Förderung ist zu hoch. Was nervt, ist, dass Vertreter der Branche so tun, als seien sie im Auftrag einer höheren Mission unterwegs. Sicher, die Energiewende ist ein gigantisches Zukunftsprojekt, mit dem unsere Volkswirtschaft umsteuert. Ein Projekt, das inspiriert. Sie ist aber auch eines der größten Umverteilungsprogramme von unten nach oben, die Deutschland seit Langem erlebt hat. Es spaltet die Gesellschaft in jene, die produzieren (auf 20 Jahre garantiert), und jene, die verbrauchen. Stört das eigentlich jemanden in der SPD oder bei den Grünen, die sonst immer vereinen oder von oben nach unten umverteilen wollen? Sogar Vertreter der Branche räumen inoffiziell ein, dass diese Transfers ein "Riesenthema" seien und die hohen Pachten irrsinnig. Doch da Riesenthemen bekanntlich heikel sind, spricht man sie lieber nicht laut an. Der Dirigent und BUND-Mitgründer Enoch zu Guttenberg ist im Mai aus Protest aus dem Naturschutzbund ausgetreten, aus ähnlichen Motiven. Sein Vorwurf: "Verdacht der Käuflichkeit" des BUND, er wolle seine Hände nicht mehr "in die Nähe zu jenem Geldfass recken", das nur noch korrumpiere. "Wir reden leider längst nicht mehr von einer verantwortbaren Zukunft der Energiewirtschaft in Deutschland", schrieb zu Guttenberg. "Wir reden vom schnellen Reibach." Und was sagen Politiker dazu? Sie schlagen natürlich eine neue Subvention vor und wollen Strom für niedrige Einkommen subventionieren. Wie aus dem Lehrbuch für irre Interventionen: Der Stromkunde zahlt die Umlage, sie wird durch die Taschen der Energiebranche geschleust - und dann indirekt als Subvention ausgezahlt. Oje. Wenn Sie also das nächste Mal ein Windrad sehen, denken Sie nicht: Das ist schön oder hässlich. Oder sauber oder störend. Denken Sie einfach: Glückwunsch! Da ist jemand verdammt reich geworden.


MOZ im Juli 2012

Neulewin beplant Windpark

Neulewin (MOZ) Mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan hat die Gemeinde Neulewin einen ersten Schritt vollzogen, sich ihren Einfluss auf die Gestaltung eines eventuellen Windparks zu sichern. Eine Bürgerinitiative sträubt sich dagegen. Schaden wolle er von der Gemeinde Neulewin abwenden. Dafür habe er sich unter anderem zum Bürgermeister wählen lassen, betont Horst Wilke mehrmals in der zweistündigen Diskussion um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Windpark Nr. 01". Als immenser Schaden wird ein Windpark ganz offensichtlich von dem Dutzend engagierter Bürger empfunden, die am Mittwoch zur Gemeindevertretersitzung erschienen sind. Sie sehen sowohl gesundheitliche Gefahren als auch wirtschaftliche Schäden insbesondere für den Tourismus. Sprecherin Hannelore Scholz: "Der Windpark wird Landschaftsbilder zerstören und Menschenleben kosten." Es fällt Bürgermeister Horst Wilke, Amtsdirektor Karsten Birkholz und Bauamtsleiterin Elke Bundrock nicht leicht, deutlich zu machen, dass die Gemeinde mit dem Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan und der nachfolgenden Veränderungssperre den einzigen Weg beschreitet, um Einfluss auf einen eventuellen Windpark zu nehmen. Mit einer Veränderungssperre wird sichergestellt, dass in der bis zu drei Jahren dauernden Phase der Erarbeitung einer Bauleitplanung keine baulichen Veränderungen im B-Plangebiet vorgenommen werden. Da das vorgeschlagene Gebiet das von der regionalen Planungsgemeinschaft bereits ins Auge gefasste Windeignungsbiet zwischen Neulewin, Kerstenbruch, Heinrichsdorf und Beauregard beträchtlich überlappt, wäre an diesem Standort erst einmal Ruhe. Dass das Terrain in der Windvorteilsplanung der regionalen Planungsgemeinschaft eine Rolle spielt, hat Hannelore Scholz am 23.&xnbsp;April bei einer Veranstaltung mit dem Leiter der Planungsgemeinschaft Rüdiger Rietzel erfahren. Noch liegt der Entwurf der Planung den Kommunen gar nicht schriftlich vor. Die Bürgerinitiative fürchtet, dass Neulewin mit dem Bebauungsplan mit dem eindeutigen Titel "Windpark Nr. 01" ohne Not vorprescht. Hannelore Scholz hofft, dass die Neulewiner Fläche mit so vielen Minuspunkten behaftet sein werde, dass die Regionale Planungsgemeinschaft angesichts eines einigen und festen Widerstandes eher nach Alternativflächen sucht. Einen Beschluss der Gemeindevertretung gegen den Windpark gibt es bereits. Amtsdirektor Karsten Birkholz: "Der ist juristisch völlig wirkungslos." Denn wenn die Gemeinde nicht mittels Bauleitplanung und daraus abgeleiteter Veränderungssperre ihre Hand auf das Gebiet lege, werde dem Windspargel-Wildwuchs Tür und Tor geöffnet. Denn Windkraftanlagen gelten als privilegierte Bauvorhaben, die im Außenbereich ohne Bauleitplanung errichtet werden dürfen. Die Gemeinde erhalte sich mit dem Bebauungsplan ihre Einflussmöglichkeiten, sagt Birkholz wieder und wieder. Allerdings als vorsichtiger Jurist immer im Konjunktiv. Pensionsbetreiberin Sigrid Lüneberg aber will es genau wissen: "Schwarz auf weiß will ich lesen, welche Mitwirkungsrechte die Gemeinde dann noch hat!"


Oliver Fliesgen 01.05.2010 08:01 Uhr

Neulewin lehnt Windräder ab

Neulewin (moz) Übervoll war am Mittwochabend der Raum im Gemeindehaus Neulewin, als dort die Gemeindvertreter tagten. Kurz vor Sitzungsbeginn überlegten die Ortsvorsteherin Christine Reichmuth und der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Wilke, ob man nicht noch in den großen Saal wechseln solle, eingedenk der zehn Bürger, die sich als Zuschauer eingefunden hatten. "So viele Gäste hatten wir lange nicht mehr", sagte Wilke. Die Versammlung verblieb im kleinen Saal, der im Laufe des Abends immer wärmer wurde, nicht zuletzt wegen der hitzigen Diskussion pro und contra Windkraft in Neulewin. Als Wilke zum Tagesordnungspunkt zwölf einleitende Worte sprach, erstarb schnell jegliche Unterhaltung in den Reihen der Gemeinderäte und des Plenums. "Windkrafträder auf unserem Gebiet würden der Gemeinde zu zusätzlichen Einnahmen verhelfen", sagte der Bürgermeister. An die Mitglieder der Bürgerinitiative "Gegenwind im Oderbruch" gewandt, bekräftigte er, dass die Bildung von Initiativen das gute Recht der Bürger darstelle und erinnerte an die erfolgreiche Bekämpfung der Oderbruch-Trasse durch eine ähnliche Bewegung vor einigen Jahren. "Das letzte Wort hat nicht der Bürgermeister, sondern die Gemeindevertretung", so Wilke. "Ich bin einmal gewählt worden, um das Wohl unserer Bürger zu verteidigen", erklärte Christine Reichmuth. "Deshalb bin ich gegen Windräder." Die Ortsbürgermeisterin stand nicht allein mit ihrer Meinung. Auch Olaf Wennicke, stellvertretender Bürgermeister und Sprecher der Bürgerinitiative "Gegenwind", sprach sich gegen die Ausweisung von Windeignungsgebieten aus. "Wehret den Anfängen", warnte er. Man könne nicht den Tourismus fördern und gleichzeitig die Landschaft durch Windräder zerschneiden. Dem pflichtete Hannelore Scholz-Lübbering bei, die wie viele andere Gäste von dem erteilten Rederecht Gebrauch machte. Sie bezweifelte, dass sich durch Windräder die leeren Gemeindekassen füllen ließen. "Die Zahlung von Gewerbesteuer hängt vom Gewinn eines Unternehmens ab", sagte sie. Die Germanistin argumentierte, dass die Betreiber der Rotoren kaum Erträge erzielten. Der Amtsdirektor des Amtes Barnim-Oderbruch, Karsten Birkholz, gab zu bedenken, dass eine Ablehnung bedeuten könnte, dass die zuständige Regionalplanung Oderland-Spree auch gegen den Willen der Gemeinde Windeignungsgebiete bestimmen könne. Nach einer emotional geführten Diskussion votierten acht von zehn stimmberechtigte Sitzungsteilnehmer für den Beschluss, Windräder auf Gemeindegebiet nicht zu gestatten. Während Neulewin sich gegen Windkraft ausgesprochen hat, gibt es in der Gemeinde Prötzel Bestrebungen rund 35 Windräder zwischen den Ortsteilen Sternebeck-Harnekop und Prötzel zu errichten. Die Verpachtung von Land an Betreiberfirmen könnte eine jährliche Einnahme von bis zu 200 000 Euro bedeuten. Der Ortsvorsteher Olaf Kaupat sagte gestern auf MOZ-Anfrage: "Wenn unsere Flächeneigentümer Windräder aufstellen, wird dieses Geld auch in Prötzel bleiben."


Potsdamer Neueste Nachrichten vom 10.12.2010

Tabus und Kriterien für Windkraftanlagen gesucht


Regionalplaner wollen - anders als das Umweltministerium - weiterhin 1000-Meter- Mindestabstand Teltow - In den Büros der Regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming wird laut GeschaÅNftsführer Harald Knauer nach "eindeutigen Tabus und Ausschlusskriterien" für das Entstehen von Windkraftanlagen gesucht. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Berlin- Brandenburg Mitte September diesen Jahres den bisherigen Teilplan "Windkraft" innerhalb der Regionalplanung wegen "nicht heilbarer, konzeptioneller Mängel" für rechtsunwirksam erklärt hatte, wird an neuen Regelungen gebastelt. Dabei haben sich die Regionalplaner laut Knauer am aktuellen Richterspruch zu orientieren: Windenergienutzung gilt als privilegiert und ihr muss genügend Raum gelassen werden. Ganz in diesem Sinne versteht sich der aktuelle Erlass des brandenburgischen Umweltministeriums, wonach u.a. der bisherige Mindestabstand von 1000 Meter zwischen Siedlungsbereichen und Windrädern nicht mehr gelten soll. Pufferzonen sollen limitiert, Wälder und Felder für Windkraftanlagen zugänglicher gemacht werden. Ganz so grosszügig will es Knauer nicht - schon gar nicht "für die besondere Kulturlandschaft der Rieselfelder im Teltower Raum". Als regionalspezifische Ausschlusskriterien sollen Grünzüge, 1000-Meter-Siedlungsabstand und ein Flächenmaß von mindestens 100 Hektar definiert werden. "Große, aber dafür wenig Gebiete", stellt sich Knauer vor. Am Mittwoch stellte er in der regionalen Arbeitsgemeinschaft "Der Teltow" (KAT) die Überlegungen der Regionalplaner vor. Dort fragten sich die Mitglieder, wie sich die angedachten Kriterien durchsetzen lassen, wenn die Vorgaben der Landesregierung weniger restriktiv sind. "Da brauchen wir belastbare Argumente, um es im Regionalplan so zu regeln", mahnte Kleinmachnows CDU-Gemeindevertreter Ludwig Burkardt. Auch sein Parlamentskollege Jens Klocksin (SPD) vermutet, dass nur mit belastbarem, landesrechtlichem Spielraum die strengeren Vorgaben auf regionaler Ebene möglich sind. Knauer erkannte: "Es gibt reichlich Regelungsbedarf, aber wir sind dabei, dass unsere Kriterien rechtlich und politisch untersetzt werden." Derzeit ist es aufgrund der rechtlich unwirksamen Regionalplanung möglich, dass "ein beliebiger Antragsteller Windenergieanlagen beantragen kann", verdeutlichte Knauer die Situation. "Und die Behörden können genehmigen", führte er weiter aus. Peter Könnicke


Bericht über die Informationsveranstaltung am 04.05. 2010 in Neulewin:




Am 4. Mai 2010 fand im Gemeindehaus von Neulewin eine Informationsveranstal-tung zu den geplanten Windkraftanlagen im Oderbruch statt. Mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger aus Neulewin und anderen Orten des Oderbruches waren gekommen, um sich zu informieren und ihre Sorgen und Nöte zu äußern. Es regt sich massiver Widerstand gegen die Ausweitung und das Repowering alter Windparks und den Bau neuer Windkraftanlagen. Die unterschiedlichen Bürgerinitiativen, die sich dem Positionspapier "Gegenwind im Oderbruch" aus Neulewin bereits im Vorfeld angeschlossen hatten (Golzow, Neubar-nim, Letschin), berichteten über ihre Erfahrungen. Der Sprecher der Neulewiner Bürgerinitiative, Olaf Wennicke, informierte umfassend über den aktuellen Stand der Planungen sowohl bei Windkraftanbietern, die bei Einzelpersonen und Bürgermeistern Planungsgebiete und Verträge vorlegen und hohe Einnahmequellen für die Gemeinden versprechen, als auch bei der Regionalen Planungsgruppe Oderland-Spree. Im Falle, dass die Gemeindevertreterinnen und -vertreter zustimmen, können die Betreiber einen Antrag an die Regionale Planungsgruppe Oderland- Spree stellen. Diese prüft nach einem Kriteriengerüst die Eignung und erteilt dann die Zustimmung. Auch wenn eine Gemeinde sich gegen den Bau von Windkraftanlagen ausgesprochen hat, kann die Regionale Planungsgemeinschaft die Realisierung eines Windparks rechtlich durchsetzen.

Um Vattenfall, PROKON und anderen Einhalt zu gebieten, ist es unabdingbar geworden, eine verantwortungsbewusste Kommunalpolitik zu betreiben.

Olaf Wennicke unterstrich, dass nicht einerseits der Tourismus im Oderbruch gefördert werden und andererseits eine radikale Zerstörung der einmaligen Kulturlandschaft vollzogen werden kann. Er wies auf die Risiken hin: gesundheitliche Folgen für Mensch und Tier, Entwertung der Häuser und Grundstücke und das Sinken der Lebensqualität.




Rita Kosa von der Bürgerinitiative Golzow sprach eindringlich und engagiert über die Sorgen der Golzower. "Nichts ist mehr so, wie es war seit der Präsentation der Windkraftpläne von Vattenfall & Co." Die Bürgerinnen und Bürger haben sich an die Ministerin gewandt, fühlen sich aber von ihrer Gemeindevertretung im Stich gelassen.

Rudi Friedrich aus Neubarnim rief zum verstärkten Widerstand seiner Gemeinde auf und betonte die Bedeutung gemeinsamer Aktionen. Manfred Kohn aus Letschin legte offen, wie nicht nur Betreiber auf sofortigen Vollzug drängten, sondern dass sie im Landesumweltamt auch durchsetzen konnten, dass Pläne nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden mussten. Einen Erfolg hätte die Bürgerinitiative 2003 errungen, sie konnte die Erweiterung des vorhande-nen Parks verhindern. "Wir Menschen im Oderbruch wollen nicht auf dem letzten Platz alles Schützenswerten stehen. Geschützt sind Tiere, Pflanzen, Landschaften - und die Menschen?"

Thomas Jacob beleuchtete viele Facetten im Zusammenhang mit dem Einrichten von Windparks. Eindringlich und engagiert schilderte er Aspekte einer fehlgeleiteten Energiepolitik. "Volkswirtschaftlich sind die Windkraft und die Solarenergie sinnlos." Er plädierte für das Abstandskriterium von 1.500 m zu Wohnorten zum Schutz von Mensch und Tier. Beeindruckend schilderte Olaf Beyer seine persönlichen Erfahrungen mit Windkraft. Er habe den Fläming verlassen, weil Windkrafträder in bedrohlichem Ausmaß errichtet wurden. Nun, im Oderbruch droht ihm erneut diese Gefahr. "Die Landschaft des Oderbruchs ist das Kapital hier. Mit Windrädern gibt es keinen Grund für Berliner mehr, als Touristen hierher zu kommen." Thomas Schiwietz, Koordinator des Landes Brandenburg und Vereinsmitglied "Mittleres Oderbruch", Planung und Naturschutz, stellte sich mit seinen Erfahrungen zur Verfügung, um mit den Bürgerinitiativen bei der Regionalplanungsgruppe Oderland-Spree ein Votum einzureichen.

Fotos: P.Norden 2010

Nach der Pause setzte eine intensive Diskussion zu unterschiedlichen Themen ein. Marlies Lengacker als Regionalrätin für den Bauernverband bestätigte, dass sich die Regionalräte überwiegend kritisch zu Windkraftanlagen geäußert hätten. Sie betonte, dass ein Energiekonzept wirklich nicht vorhanden sei. "Eine Demokratie in den Entscheidungsstrukturen der Energiewirtschaft ist nicht erkennbar."

Die Bäuerin Marie- Luise Daue betonte, dass sie und ihre Familie seit vier Generati-onen im Oderbruch Landwirtschaft betreiben und sie die Vernichtung wertvollen Ackerlandes durch Beton entschieden ablehne.

Sophie Natuschke engagierte sich für die Künstlerinnen und Künstler nicht nur auf den Loose-Gehöften: "Das Oderbruch als Nische für Kunst und Kultur darf man nicht ausbluten lassen. "Die Künstlerinnen und Künstler seien auf Besucher, die ihre Kunstwerke kaufen, angewiesen.

Die Enttäuschung über den Grundsatzbeschluss der Gemeinde Oderaue für den Bau von Windktaftanlagen formulierte nicht nur Claudio Jarczyk. Das stellte sich als ein grundsätzliches Problem von Informationsfluss dar.

Jeder müsse sich auch selbst um Information bemühen, betonte Stephan Kulke, der die Präsentation der Initiative im Internet übernommen hat. Die neue Domain lautet: www.gegenwind-im-oderbruch.de
Er zog eine erste Bilanz der Unterschriftensammlung: 484 Stimmen- ein gutes Resultat in kurzer Zeit.

Im Schlusswort appellierte Olaf Wennicke an alle: "Für die nächsten Schritte haben wir uns juristischen Beistand gesichert: 1.Weiterführen der Unterschriftenaktion 2.Übergabe der Listen an ausgewählte Politiker im Wirtschaftsministerium, 3.Kontaktaufnahme mit der regionalen Planungskommission, Einreichen eines Votums. Falls Bedarf besteht und die Situation es erfordert, führen wir eine weitere Informationsveranstaltung durch." Wir danken den Initiativen aus Golzow, Letschin und Neubarnim, dass sie mit uns gemeinsam diese Strategie umsetzen wollen und freuen uns auf weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Ein wichtiges Signal wäre es, gemeinsam am 15. Mai 2010 am Brandenburger Tor unser Anliegen zu demonstrieren.

Teilerfolg für Neulewin!


Die Gemeindevertreter stimmten am 28. April 2010 mehrheitlich gegen die Ausweisung von Eignungsgebieten für Windkraftanlagen. Von 10 Gemeindevertretern waren 9 anwesend, sieben Stimmen gegen die Ausweisung der Gebiete, zwei Enthaltungen. In Anwesenheit des Amtsdirektors, Herrn Birkholz, diskutierten die Gemeindevertreter sehr verantwortungsvoll, dieses kontroverse Thema.
Übereinstimmend wurde herausgestellt, wie wichtig die Erhaltung der einzigartigen Oderbruchlandschaft ist, besonders im Blick auf die kommenden Generationen. Sanfter naturnaher Tourismus ist die einzige nachhaltige Chance für die Oderregion.

Windrad-Rotorblatt aufgerissen:


Frankenfelde/Lüdersdorf (moz) Ein Rotorblatt einer Windkraftanlage ist zwischen Frankenfelde und Lüdersdorf aufgeplatzt, mehrere Teile davon zu Boden gestürzt. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Der Sachschaden ist jedoch enorm. Die Havarie ereignete sich schon am ersten November-Wochenende, wurde aber erst jetzt bekannt.
Uwe Klawitter sah am Sonntag die Anlage bei einem Kontrollgang durch sein Jagdgebiet. Er sprach gestern von insgesamt etwa 40 Meter Kunststoff- Verkleidung, die abgerissen ist, davon große Teile am Boden liegen. "Wäre der Wind zum Zeitpunkt des Unfalls anstatt von Süden von Westen gekommen, wären die Teile auf die Straße geflogen", betont der Frankenfelder. Man möge sich nicht ausdenken, was dann hätte passieren können.
Der Diplomingenieur für Maschinenbau nahm die heruntergefallenen Teile näher in Augenschein und sprach von einem Verarbeitungsfehler. "Die Ummantelung des Rotorblattes ist nicht richtig verklebt, auch die Nieten sitzen nicht richtig", schätzte Uwe Klawitter ein. Da seien weitere Probleme vorprogrammiert, ist er sich sicher und verweist auf die zehn baugleichen Anlagen des Windparks. Dieser ist im Dezember 2001 entstanden. Die Anlagen "Wriezener Höhe" werden von der Betreiberfirma WKN Windkraft Nord AG auf ihrer Internetseite als Typ Vestas V 80 mit einer Nabenhöhe von 78 Metern angegeben. Der Betreiberfirma ist der Vorfall bekannt. "Wir haben ein neues Rotorblatt bestellt, alles ist im Fluss", heißt es beim Telefonat mit dem Firmenhauptsitz in Husum. Für weitere Auskünfte wird an die Herstellerfirma Vestas verwiesen. Auch dort ist man nicht sehr auskunftsfreudig. "Eine technische Untersuchung ist eingeleitet. Die Ergebnisse werden diese Woche erwartet", heißt es knapp aus der Vestas-Pressestelle in Hamburg. Der Landkreis Märkisch-Oderland hat auf den Vorfall bei Wriezen reagiert. Sprecher Tobias Seyfarth sprach am Telefon von einem Forderungskatalog: Die Oberste Bauaufsichtsbehörde, das Bautechnische Prüfungsamt und der Betreiber seien aufgefordert, Stellung zu der Havarie zu beziehen. "Dafür haben wir eine Woche Zeit gegeben", erklärte der Kreissprecher. Weil bislang keine Gefahr für Menschen und Tiere gesehen werde, komme es auch zu keinen Absperrungen rund um die Windkraftanlagen.
Quelle: MOZ- Online- Archiv


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